Der Motorsägenschein: Welches Modul du wirklich brauchst

Motorsäge im Einsatz bei der Waldarbeit, Motorsägenschein

Forstwissen · Ausbildung

Der Motorsägenschein:
Welches Modul du wirklich brauchst

Die häufigste Frage bei uns am Tresen, gleich nach „welche Säge". Und die Antwort ist einfacher, als die meisten befürchten. Für Brennholz aus dem Gemeindewald reicht in aller Regel der Einstieg. Wer Bäume fällt, braucht mehr. Hier steht, was hinter den Buchstaben A bis D steckt und wo ihr euch den Kurs sparen könnt.

A
Grundlagen
B
Fällung
C
Starkholz
D
Schadholz
Kurse bei uns im Haus Rieblingen bei Wertingen 11 Min. Lesezeit

Es gibt keinen „Motorsägenführerschein" im Sinne eines staatlichen Dokuments, das man beim Sägen dabeihaben muss. Was es gibt, ist ein Nachweis über eine absolvierte Ausbildung. Und der wird nicht vom Staat verlangt, sondern von demjenigen, auf dessen Grund ihr sägt.

Dieser Unterschied klingt nach Wortklauberei, ist aber der Schlüssel zur ganzen Frage. Wer im eigenen Garten den eigenen Apfelbaum absägt, den fragt niemand nach einem Schein. Wer beim Forstamt einen Sammelschein für Brennholz holen will, wird sehr wohl gefragt. Und wer als Selbstwerber ins Los geht, kommt ohne Nachweis in vielen Revieren gar nicht erst hinein.

Die vier Module im Klartext

Die Ausbildung ist bundesweit in aufeinander aufbauende Module gegliedert. Die Bezeichnungen können je nach Anbieter leicht abweichen, die Inhalte sind aber im Kern überall dieselben.

A
Grundlagen und liegendes Holz
Meist 1 bis 2 Tage

Der Einstieg, und für die allermeisten der einzige Kurs, den sie je brauchen. Behandelt wird alles, was am liegenden Stamm passiert: Aufbau und Funktion der Säge, Wartung, Kettenspannung, Schärfen, Startverfahren, Schnitttechniken beim Ablängen und der Umgang mit Spannungen im Holz.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird von Einsteigern regelmäßig unterschätzt. Ein Stamm, der auf zwei Punkten aufliegt, steht unter Spannung. Wer an der falschen Seite anfängt, klemmt entweder die Säge ein oder bekommt den Stamm ins Schienbein. Genau das lernt man in Modul A.

Für wen: Brennholzselbstwerber, Gartenbesitzer mit Kaminofen, alle die Polterholz aufarbeiten.
B
Fällung von Schwach- und Normalholz
Meist 2 bis 3 Tage, setzt Modul A voraus

Ab hier geht es an den stehenden Baum. Fälltechnik mit Fallkerb und Bruchleiste, Fällkeile, Rückweiche, Beurteilung von Kronenaufbau und Hängerichtung, Sicherheitsabstände und die richtige Kommunikation, wenn mehrere Leute im Bestand arbeiten.

Die Grenze zwischen Modul B und C zieht sich üblicherweise am Verhältnis von Stammdurchmesser zur Schnittlänge der Säge. Solange der Baum mit der vorhandenen Schiene in einem Zug zu erfassen ist, bleibt es Modul B.

Für wen: Waldbesitzer, die den eigenen Bestand pflegen. Wer im Wald Bäume fällt, kommt hier praktisch nicht vorbei.
C
Starkholz und Sondertechniken
Aufbaukurs, setzt A und B voraus

Bäume, deren Durchmesser die Schnittlänge übersteigt. Hier kommen Techniken ins Spiel, die ohne Anleitung nicht funktionieren: Herzstich, mehrteilige Fallkerbe, Arbeiten mit Zughilfen und Seilwinde, Sicherung von Vorhängern.

Für wen: Forstwirte, gewerbliche Anwender, Waldbesitzer mit altem Starkholzbestand.
D
Schadholz, Windwurf und Käferholz
Spezialkurs

Der gefährlichste Bereich der Waldarbeit, und der mit den meisten schweren Unfällen. Geworfene und gebrochene Bäume stehen unter Spannungen, die von außen nicht erkennbar sind. Wurzelteller können zurückschlagen, aufgehängte Kronen sich lösen, ganze Stämme sich beim ersten Schnitt drehen.

Das ist keine Sache, die man sich am Wochenende selbst beibringt. Nach jedem größeren Sturm liest man in der Regionalpresse, was dabei passiert.

Für wen: Alle, die nach Sturmereignissen oder bei Borkenkäferbefall aufarbeiten.

Braucht ihr überhaupt einen?

Nüchtern durchgegangen, ohne euch etwas verkaufen zu wollen.

Kurzer Selbsttest
Ihr sägt ausschließlich im eigenen Garten, Brennholz ablängen, kleine Äste.
Nicht nötig
Ihr holt Brennholz aus dem Gemeinde- oder Staatswald und braucht einen Sammelschein.
Modul A
Ihr arbeitet als Selbstwerber im Los, Holz liegt bereits.
Modul A
Ihr fällt Bäume im eigenen Wald.
A + B
Ihr sägt beruflich oder gegen Bezahlung für andere.
A + B, oft mehr
Ihr arbeitet Sturm- oder Käferholz auf.
bis Modul D
Wichtig zur Rechtslage

Die konkreten Anforderungen legt nicht der Gesetzgeber pauschal fest, sondern der jeweilige Waldbesitzer oder die zuständige Forstverwaltung. Was in einem bayerischen Landkreis für den Sammelschein verlangt wird, kann im Nachbarlandkreis abweichen. Auch zwischen Gemeindewald, Staatswald und Privatwald gibt es Unterschiede.

Für gewerbliche Tätigkeit gelten zusätzlich die Vorgaben der Berufsgenossenschaft beziehungsweise der SVLFG, und die sind deutlich strenger als alles, was Privatleuten begegnet.

Der einzig verlässliche Weg: Ruft vorher beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder bei eurer Gemeinde an und fragt konkret, welchen Nachweis sie sehen wollen. Das ist ein Anruf und erspart euch möglicherweise einen Kurs, den ihr nicht braucht, oder einen zu kleinen Kurs, mit dem ihr abgewiesen werdet.

Der Schein ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass ihr am Abend mit allen zehn Fingern nach Hause fahrt.

Was ein Kurs kostet

Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter, Dauer und Gruppengröße erheblich. Als grobe Orientierung für den bayerischen Raum:

Modul Typische Dauer Grobe Preisspanne
Modul A 1 bis 2 Tage etwa 150 bis 250 Euro
Modul B 2 bis 3 Tage etwa 250 bis 400 Euro
Modul A + B kombiniert 3 bis 4 Tage meist günstiger als einzeln gebucht
Modul C und D je nach Anbieter Aufbaukurse, individuell

Diese Spannen sind Orientierungswerte aus dem Markt, keine Preise von uns. Verbindliche Angaben bekommt ihr immer beim jeweiligen Kursanbieter.

Wo ihr fördern lassen könnt

Waldbesitzervereinigungen und forstliche Zusammenschlüsse bieten Kurse häufig zu vergünstigten Konditionen für Mitglieder an. Wer ohnehin Waldflächen bewirtschaftet, sollte das vorher prüfen. Auch über die Landwirtschaftliche Sozialversicherung gibt es je nach Status Möglichkeiten. Fragen kostet nichts und kann einen erheblichen Teil des Kurspreises ausmachen.

Kurse bei uns in Rieblingen

Wir veranstalten in unregelmäßigen Abständen Motorsägenkurse direkt bei uns im Haus. Feste Termine über das Jahr hinweg gibt es nicht, weil wir die Kurse ansetzen, wenn genügend Interessenten zusammenkommen und ein Ausbilder verfügbar ist.

Der Vorteil, wenn ihr bei uns lernt, liegt auf der Hand: Ihr steht anschließend nicht mit einem Zertifikat und ohne Ausrüstung da. Säge, Schutzausrüstung, Betriebsstoffe und die Werkstatt für alles, was danach kommt, sind im selben Haus. Und wenn im Kurs die Frage aufkommt, welche Säge zu eurem Vorhaben passt, könnt ihr sie in derselben Stunde in die Hand nehmen.

Wann ist der nächste Kurs?

Weil die Termine unregelmäßig sind, lohnt sich der direkte Anruf. Wir sagen euch, wann der nächste Kurs ansteht oder setzen euch auf die Liste, damit ihr Bescheid bekommt, sobald ein Termin steht.

08272 98884

Montag bis Freitag 8 bis 12 und 13 bis 17:30 Uhr, Samstag 8:30 bis 12 Uhr

Oder schriftlich anfragen

Was ihr zum Kurs mitbringen müsst

Ohne vollständige persönliche Schutzausrüstung nimmt euch kein seriöser Ausbilder mit in den Bestand. Das ist keine Schikane, sondern Voraussetzung für den Versicherungsschutz. Und ehrlich gesagt ist es auch der Teil, den ihr danach ohnehin jedes Mal braucht.

Pflichtausrüstung komplett bei uns erhältlich
⛑️
Forsthelm mit Gehör- und Gesichtsschutz
Als Helmset in einem Stück, das ist praktischer und günstiger als drei Einzelteile. Achtet auf das Herstellungsdatum, Helme altern auch ungenutzt.
👖
Schnittschutzhose, mindestens Klasse 1
Für die allermeisten Anwender ist Klasse 1 der richtige Standard. Design A reicht in der Regel, C ist Rundumschutz. Wie ihr sie wascht, ohne den Schutz zu ruinieren, steht in unserem Beitrag Schnittschutzhose waschen.
🥾
Schnittschutzstiefel mit Zehenschutzkappe
Normale Arbeitsschuhe genügen nicht. Der Fuß ist nach dem Bein die häufigste Verletzungsstelle.
🧤
Handschuhe mit Schnittschutz
Meist an der linken Hand, weil dort das größte Risiko beim Rückschlag liegt.
🦺
Signalfarbene Oberbekleidung
Damit euch die Kollegen im Bestand sehen. Klingt banal, ist bei mehreren Leuten im Hang entscheidend.
🪚
Eigene Motorsäge, wenn möglich
Manche Anbieter stellen Geräte, viele nicht. Wer mit dem eigenen Gerät übt, lernt genau die Handgriffe, die er danach braucht.

🎒 PSA komplett zusammenstellen? Kommt vorbei und probiert an. Bei einer Hose, die stundenlang sitzen und trotzdem Bewegungsfreiheit lassen muss, ist Anprobieren durch nichts zu ersetzen.

Schutzausrüstung

Und welche Säge dazu?

Eine Frage, die im Kurs unweigerlich aufkommt. Die ehrliche Antwort hängt daran, was ihr danach tatsächlich macht.

Für Brennholz am Polter und gelegentliches Ablängen reicht eine Säge der kleineren Klasse völlig aus. Wer sich unsicher ist, ob es eine Nummer größer sein soll, muss nicht raten: In unserem Mietpark steht eine MS 261 C-M für 42 Euro am Tag bereit. Ein Tag am eigenen Holz beantwortet die Frage besser als jede Beratung, und die Betriebseinweisung gibt es beim Abholen dazu.

Für alle, die nach dem Kurs regelmäßig im Wald arbeiten, lohnt der Blick auf die Profiklasse. Die MS 261 C-M war jahrelang unser meistverkauftes Gerät in diesem Bereich, ihre Nachfolgerin MS 300 C-M tritt genau in diese Fußstapfen. Wer den Großteil der Arbeit im Garten und in der Landschaftspflege hat und Lärm und Abgase vermeiden will, sollte sich die MSA Akkusägen ansehen.

Eine Anmerkung aus der Werkstatt

Die häufigste Fehlentscheidung nach einem Motorsägenkurs ist nicht die zu kleine Säge, sondern die zu große. Wer frisch ausgebildet ist und mit einer schweren Profisäge am Polter steht, ermüdet schneller, und Ermüdung ist der Anfang der meisten Unfälle. Nehmt lieber eine Klasse kleiner und arbeitet konzentriert, als eine Klasse größer und ab dem dritten Stamm unsauber. Welche Säge zu welcher Brennholzmenge passt, haben wir im Beitrag Welche STIHL Motorsäge für Brennholz durchdekliniert.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Motorsägenschein für den eigenen Garten?
Nein. Auf dem eigenen Grundstück, für den eigenen Bedarf, verlangt niemand einen Nachweis. Das ändert allerdings nichts daran, dass eine Motorsäge dasselbe Werkzeug bleibt, egal wo ihr steht. Die Schutzausrüstung ist im Garten genauso sinnvoll wie im Bestand, und die häufigsten schweren Verletzungen passieren bei genau der Arbeit, die man für harmlos hält. Ein Modul A lohnt sich auch ohne Verpflichtung, allein wegen der Schnitttechnik bei gespanntem Holz.
Wie lange ist der Motorsägenschein gültig?
Ein einmal erworbener Nachweis läuft in der Regel nicht ab. Im gewerblichen Bereich sieht das anders aus, dort werden regelmäßige Auffrischungen erwartet, und die Berufsgenossenschaft macht dazu konkrete Vorgaben. Unabhängig von der formalen Gültigkeit gilt: Wer fünf Jahre keine Säge in der Hand hatte, sollte nicht mit dem Fällen eines Baumes wieder einsteigen. Die Technik verlernt man schneller, als man denkt.
Reicht Modul A für den Sammelschein in Bayern?
In den meisten Fällen ja, aber es gibt keine bayernweit einheitliche Regel. Die Anforderung stellt die Gemeinde beziehungsweise die Forstverwaltung, die den Sammelschein ausgibt, und die Praxis unterscheidet sich von Revier zu Revier. Manche verlangen gar keinen Nachweis, andere Modul A, wieder andere machen es davon abhängig, ob ihr nur Leseholz aufsammelt oder mit der Säge arbeitet. Ein Anruf beim zuständigen Forstamt klärt das in zwei Minuten und ist die einzig verlässliche Auskunft.
Wann findet der nächste Kurs bei euch statt?
Wir setzen die Kurse an, wenn genügend Interessenten zusammenkommen, feste Jahrestermine gibt es deshalb nicht. Am besten ruft ihr unter 08272 98884 an. Wenn gerade kein Termin ansteht, notieren wir euch, und ihr bekommt Bescheid, sobald einer feststeht. Wer es eilig hat, dem sagen wir auch, welche Anbieter in der Region gerade Termine haben. Uns ist lieber, ihr macht den Kurs woanders, als dass ihr ohne Ausbildung anfangt.
Kann ich die Schutzausrüstung für den Kurs leihen?
Manche Kursanbieter stellen Helm und Hose leihweise, verlassen solltet ihr euch nicht darauf. Und offen gesagt: Eine Schnittschutzhose, die zwanzig Leuten vor euch gepasst hat, passt euch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht richtig. Wer nach dem Kurs weitersägt, braucht die Ausrüstung ohnehin. Kommt vorbei und probiert an, das ist die halbe Miete bei einer Hose, in der ihr einen ganzen Tag arbeiten sollt.
Lohnt sich Modul B, wenn ich nur alle paar Jahre einen Baum fälle?
Ehrliche Antwort: Wenn ihr wirklich nur alle paar Jahre einen Baum fällt, ist die entscheidende Frage nicht der Kurs, sondern ob ihr es überhaupt selbst machen solltet. Fälltechnik ist Übungssache, und wer sie einmal im Kurs gelernt und danach drei Jahre nicht angewendet hat, steht wieder ziemlich am Anfang. Bei einem einzelnen Baum in schwieriger Lage ist ein Fachbetrieb oft die vernünftigere Entscheidung, gerade wenn Haus, Leitung oder Straße in der Nähe sind. Modul B lohnt sich, wenn ihr regelmäßig im eigenen Bestand arbeitet.