Der Motorsägenschein:
Welches Modul du wirklich brauchst
Die häufigste Frage bei uns am Tresen, gleich nach „welche Säge". Und die Antwort ist einfacher, als die meisten befürchten. Für Brennholz aus dem Gemeindewald reicht in aller Regel der Einstieg. Wer Bäume fällt, braucht mehr. Hier steht, was hinter den Buchstaben A bis D steckt und wo ihr euch den Kurs sparen könnt.
Es gibt keinen „Motorsägenführerschein" im Sinne eines staatlichen Dokuments, das man beim Sägen dabeihaben muss. Was es gibt, ist ein Nachweis über eine absolvierte Ausbildung. Und der wird nicht vom Staat verlangt, sondern von demjenigen, auf dessen Grund ihr sägt.
Dieser Unterschied klingt nach Wortklauberei, ist aber der Schlüssel zur ganzen Frage. Wer im eigenen Garten den eigenen Apfelbaum absägt, den fragt niemand nach einem Schein. Wer beim Forstamt einen Sammelschein für Brennholz holen will, wird sehr wohl gefragt. Und wer als Selbstwerber ins Los geht, kommt ohne Nachweis in vielen Revieren gar nicht erst hinein.
Die vier Module im Klartext
Die Ausbildung ist bundesweit in aufeinander aufbauende Module gegliedert. Die Bezeichnungen können je nach Anbieter leicht abweichen, die Inhalte sind aber im Kern überall dieselben.
Der Einstieg, und für die allermeisten der einzige Kurs, den sie je brauchen. Behandelt wird alles, was am liegenden Stamm passiert: Aufbau und Funktion der Säge, Wartung, Kettenspannung, Schärfen, Startverfahren, Schnitttechniken beim Ablängen und der Umgang mit Spannungen im Holz.
Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird von Einsteigern regelmäßig unterschätzt. Ein Stamm, der auf zwei Punkten aufliegt, steht unter Spannung. Wer an der falschen Seite anfängt, klemmt entweder die Säge ein oder bekommt den Stamm ins Schienbein. Genau das lernt man in Modul A.
Ab hier geht es an den stehenden Baum. Fälltechnik mit Fallkerb und Bruchleiste, Fällkeile, Rückweiche, Beurteilung von Kronenaufbau und Hängerichtung, Sicherheitsabstände und die richtige Kommunikation, wenn mehrere Leute im Bestand arbeiten.
Die Grenze zwischen Modul B und C zieht sich üblicherweise am Verhältnis von Stammdurchmesser zur Schnittlänge der Säge. Solange der Baum mit der vorhandenen Schiene in einem Zug zu erfassen ist, bleibt es Modul B.
Bäume, deren Durchmesser die Schnittlänge übersteigt. Hier kommen Techniken ins Spiel, die ohne Anleitung nicht funktionieren: Herzstich, mehrteilige Fallkerbe, Arbeiten mit Zughilfen und Seilwinde, Sicherung von Vorhängern.
Der gefährlichste Bereich der Waldarbeit, und der mit den meisten schweren Unfällen. Geworfene und gebrochene Bäume stehen unter Spannungen, die von außen nicht erkennbar sind. Wurzelteller können zurückschlagen, aufgehängte Kronen sich lösen, ganze Stämme sich beim ersten Schnitt drehen.
Das ist keine Sache, die man sich am Wochenende selbst beibringt. Nach jedem größeren Sturm liest man in der Regionalpresse, was dabei passiert.
Braucht ihr überhaupt einen?
Nüchtern durchgegangen, ohne euch etwas verkaufen zu wollen.
Die konkreten Anforderungen legt nicht der Gesetzgeber pauschal fest, sondern der jeweilige Waldbesitzer oder die zuständige Forstverwaltung. Was in einem bayerischen Landkreis für den Sammelschein verlangt wird, kann im Nachbarlandkreis abweichen. Auch zwischen Gemeindewald, Staatswald und Privatwald gibt es Unterschiede.
Für gewerbliche Tätigkeit gelten zusätzlich die Vorgaben der Berufsgenossenschaft beziehungsweise der SVLFG, und die sind deutlich strenger als alles, was Privatleuten begegnet.
Der einzig verlässliche Weg: Ruft vorher beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder bei eurer Gemeinde an und fragt konkret, welchen Nachweis sie sehen wollen. Das ist ein Anruf und erspart euch möglicherweise einen Kurs, den ihr nicht braucht, oder einen zu kleinen Kurs, mit dem ihr abgewiesen werdet.
Der Schein ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass ihr am Abend mit allen zehn Fingern nach Hause fahrt.
Was ein Kurs kostet
Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter, Dauer und Gruppengröße erheblich. Als grobe Orientierung für den bayerischen Raum:
| Modul | Typische Dauer | Grobe Preisspanne |
|---|---|---|
| Modul A | 1 bis 2 Tage | etwa 150 bis 250 Euro |
| Modul B | 2 bis 3 Tage | etwa 250 bis 400 Euro |
| Modul A + B kombiniert | 3 bis 4 Tage | meist günstiger als einzeln gebucht |
| Modul C und D | je nach Anbieter | Aufbaukurse, individuell |
Diese Spannen sind Orientierungswerte aus dem Markt, keine Preise von uns. Verbindliche Angaben bekommt ihr immer beim jeweiligen Kursanbieter.
Waldbesitzervereinigungen und forstliche Zusammenschlüsse bieten Kurse häufig zu vergünstigten Konditionen für Mitglieder an. Wer ohnehin Waldflächen bewirtschaftet, sollte das vorher prüfen. Auch über die Landwirtschaftliche Sozialversicherung gibt es je nach Status Möglichkeiten. Fragen kostet nichts und kann einen erheblichen Teil des Kurspreises ausmachen.
Kurse bei uns in Rieblingen
Wir veranstalten in unregelmäßigen Abständen Motorsägenkurse direkt bei uns im Haus. Feste Termine über das Jahr hinweg gibt es nicht, weil wir die Kurse ansetzen, wenn genügend Interessenten zusammenkommen und ein Ausbilder verfügbar ist.
Der Vorteil, wenn ihr bei uns lernt, liegt auf der Hand: Ihr steht anschließend nicht mit einem Zertifikat und ohne Ausrüstung da. Säge, Schutzausrüstung, Betriebsstoffe und die Werkstatt für alles, was danach kommt, sind im selben Haus. Und wenn im Kurs die Frage aufkommt, welche Säge zu eurem Vorhaben passt, könnt ihr sie in derselben Stunde in die Hand nehmen.
Wann ist der nächste Kurs?
Weil die Termine unregelmäßig sind, lohnt sich der direkte Anruf. Wir sagen euch, wann der nächste Kurs ansteht oder setzen euch auf die Liste, damit ihr Bescheid bekommt, sobald ein Termin steht.
08272 98884Montag bis Freitag 8 bis 12 und 13 bis 17:30 Uhr, Samstag 8:30 bis 12 Uhr
Oder schriftlich anfragenWas ihr zum Kurs mitbringen müsst
Ohne vollständige persönliche Schutzausrüstung nimmt euch kein seriöser Ausbilder mit in den Bestand. Das ist keine Schikane, sondern Voraussetzung für den Versicherungsschutz. Und ehrlich gesagt ist es auch der Teil, den ihr danach ohnehin jedes Mal braucht.
🎒 PSA komplett zusammenstellen? Kommt vorbei und probiert an. Bei einer Hose, die stundenlang sitzen und trotzdem Bewegungsfreiheit lassen muss, ist Anprobieren durch nichts zu ersetzen.
SchutzausrüstungUnd welche Säge dazu?
Eine Frage, die im Kurs unweigerlich aufkommt. Die ehrliche Antwort hängt daran, was ihr danach tatsächlich macht.
Für Brennholz am Polter und gelegentliches Ablängen reicht eine Säge der kleineren Klasse völlig aus. Wer sich unsicher ist, ob es eine Nummer größer sein soll, muss nicht raten: In unserem Mietpark steht eine MS 261 C-M für 42 Euro am Tag bereit. Ein Tag am eigenen Holz beantwortet die Frage besser als jede Beratung, und die Betriebseinweisung gibt es beim Abholen dazu.
Für alle, die nach dem Kurs regelmäßig im Wald arbeiten, lohnt der Blick auf die Profiklasse. Die MS 261 C-M war jahrelang unser meistverkauftes Gerät in diesem Bereich, ihre Nachfolgerin MS 300 C-M tritt genau in diese Fußstapfen. Wer den Großteil der Arbeit im Garten und in der Landschaftspflege hat und Lärm und Abgase vermeiden will, sollte sich die MSA Akkusägen ansehen.
Die häufigste Fehlentscheidung nach einem Motorsägenkurs ist nicht die zu kleine Säge, sondern die zu große. Wer frisch ausgebildet ist und mit einer schweren Profisäge am Polter steht, ermüdet schneller, und Ermüdung ist der Anfang der meisten Unfälle. Nehmt lieber eine Klasse kleiner und arbeitet konzentriert, als eine Klasse größer und ab dem dritten Stamm unsauber. Welche Säge zu welcher Brennholzmenge passt, haben wir im Beitrag Welche STIHL Motorsäge für Brennholz durchdekliniert.