Brennholz ablängen: Ab wann die Motorsäge das falsche Werkzeug ist

Binderberger Wippkreissäge WS 700 Z mit Zapfwellenantrieb beim Ablängen von Brennholz

🪵 Brennholz · Werkzeugwahl

Brennholz ablängen:
Ab wann die Motorsäge
das falsche Werkzeug ist

Zum Fällen und Entasten führt an der Kettensäge nichts vorbei. Beim reinen Ablängen auf Scheitlänge sieht die Sache anders aus, und zwar nicht nur beim Tempo.

Landtechnik Breindl 8 Min. Lesezeit Rieblingen · Wertingen

Die meisten Brennholzmacher benutzen für alles dieselbe Säge. Fällen, entasten, ablängen, alles mit der einen Motorsäge, die man halt hat. Das funktioniert. Bei kleinen Mengen ist es sogar richtig. Ab einem gewissen Punkt arbeitet man damit aber gegen sich selbst.

Das Problem beim Ablängen

Beim Ablängen macht ihr immer denselben Schnitt. Immer dieselbe Länge, immer dieselbe Bewegung, hundert- oder tausendmal hintereinander. Und genau dabei sammeln sich drei Nachteile an, die beim Fällen keine Rolle spielen.

Die Haltung. Ihr steht gebückt über dem Stamm oder dem Bock. Nach zwei Stunden merkt ihr das im Kreuz, und ab da wird die Arbeit unsauber.

Der Bodenkontakt. Beim Ablängen auf dem Boden oder auf einem einfachen Bock erwischt die Kette regelmäßig Erde oder Steine. Eine Vollmeißelkette ist danach hinüber. Ihr feilt öfter, als ihr sägt.

Der Rückschlag. Beim monotonen Ablängen lässt die Konzentration nach. Und die Schnittstelle liegt genau dort, wo die Schienenspitze arbeitet. Die meisten Rückschläge passieren nicht beim schwierigen Fällschnitt, sondern beim tausendsten Routineschnitt.

Der Punkt, um den es eigentlich geht

Die Berufsgenossenschaften weisen seit Jahren darauf hin, dass ein erheblicher Teil der schweren Motorsägenunfälle nicht bei der Fällung passiert, sondern bei der Brennholzaufbereitung zu Hause. Nicht im Wald, im Hof. Nicht beim Profi, beim Selbstwerber.

Der Grund ist banal: Zu Hause fühlt es sich sicher an. Man kennt den Ablauf, es ist ja nur Ablängen, und die Schutzhose hängt noch im Auto.

Was eine Wippsäge anders macht

Eine Wippkreissäge, auch Brennholzsäge oder Wippsäge genannt, dreht das Prinzip um. Nicht das Werkzeug wandert zum Holz, sondern das Holz zum Werkzeug.

Der Stamm liegt in einer Wippe, einer Art Wiege. Ihr legt ihn ein, schiebt bis zum Längenanschlag und zieht die Wippe gegen das feststehende Kreisblatt. Nach dem Schnitt federt die Wippe zurück, das Blatt verschwindet wieder hinter der Abdeckung.

Motorsäge

Ihr führt ein laufendes Schneidwerkzeug frei in der Hand. Die Schnittstelle ist offen, die Schienenspitze ungeschützt.

Schnittlänge frei wählbar, dafür jedes Mal neu angezeichnet oder nach Augenmaß. Ungleiche Scheite stapeln sich schlechter.

Nach jedem Bodenkontakt Kette nachfeilen.

Wippsäge

Das Blatt ist fest montiert und verdeckt. Eure Hände sind an der Wippe, nicht am Schnitt.

Längenanschlag sorgt für gleichmäßige Scheite. Der Stapel wird dichter und trocknet besser.

Kein Bodenkontakt, kein ständiges Nachschärfen. Ein Sägeblatt hält lange.

Sicherheit ist nicht gleich sorglos

Eine Wippsäge ist im Ablängbetrieb konstruktiv sicherer als eine Motorsäge, aber sie bleibt eine Maschine mit einem laufenden Kreisblatt. Gehörschutz und Schutzbrille sind Pflicht, weite Kleidung und Handschuhe mit losen Bündchen sind gefährlich, weil sie eingezogen werden können.

Und der wichtigste Punkt: Niemals allein arbeiten, wenn ihr schweres Holz einlegt. Beim Heben und Nachschieben passieren die Unfälle, die niemand auf dem Zettel hat.

Die Wippsäge nimmt euch nicht die Arbeit ab. Sie nimmt euch die Stelle ab, an der die meisten Fehler passieren.

Für wen es sich rechnet, für wen nicht

Jetzt der Teil, an dem wir uns ins eigene Fleisch schneiden. Denn eine Wippsäge ist eine Investition im vierstelligen Bereich, und die lohnt sich längst nicht für jeden.

Grobe Orientierung nach Jahresmenge
bis 5 Ster
Bleibt bei der Motorsäge. Ein ordentlicher Sägebock und eine passende Säge sind hier die vernünftigere Investition. Alles andere ist Spielerei.
5 bis 15 Ster
Grauzone. Rechnet ehrlich, wie viele Stunden ihr im Jahr mit Ablängen verbringt. Wenn ihr das Holz ohnehin gemeinsam mit Nachbarn oder in der Familie macht, kann sich eine Maschine für mehrere lohnen.
ab 15 Ster
Hier wird es eindeutig. Der Zeitgewinn ist erheblich, die Belastung deutlich geringer, und die gleichmäßigen Scheite zahlen sich beim Stapeln und Trocknen aus.
gewerblich
Keine Frage mehr. Ab hier geht es um Durchsatz und um die Frage, ob eine Wippsäge reicht oder ein Sägespaltautomat der richtige Schritt ist.
Der Rechenweg, den wir am Tresen empfehlen

Stoppt einmal ehrlich, wie lange ihr für einen Ster braucht, vom Aufladen bis zum fertig abgelängten Haufen. Multipliziert das mit eurer Jahresmenge. Dann setzt die Zahl in Relation zum Anschaffungspreis.

Wer zwanzig Ster im Jahr macht und pro Ster eine Stunde spart, hat in fünf Jahren hundert Stunden gewonnen. Ob euch das den Preis wert ist, könnt nur ihr entscheiden. Aber es ist eine ehrlichere Rechnung als jedes Verkaufsargument.

Was wir dazu im Haus haben

Binderberger WS 700 E

Elektrische Wippkreissäge für die Brennholzaufbereitung

Binderberger baut Forsttechnik in Österreich und ist bei Wippsägen und Spalttechnik seit Jahrzehnten im Geschäft. Die WS 700 E ist die elektrisch angetriebene Variante, also ohne Zapfwelle und ohne Verbrennungsmotor.

Technische Daten, Anschlusswerte und Verfügbarkeit stehen auf der Produktseite. Wenn ihr wissen wollt, ob eure Stromversorgung im Stadel dafür reicht, ruft an, das klären wir in zwei Minuten.

Wir zeigen euch die Maschine gerne vor Ort, bevor ihr euch entscheidet.

Zur WS 700 E

Dazu passend: die Forstbox

Wer im Wald arbeitet, kennt das Problem mit dem Werkzeug. Säge, Keile, Kanister, Feilzeug, Erste-Hilfe-Material, alles liegt irgendwo im Anhänger und ist dann doch nicht dabei, wenn man es braucht.

Die Binderberger Forstbox löst das mit einer festen Ordnung. Es gibt sie in einer Standard- und einer Pro-Ausführung, beide führen wir. Was den Unterschied ausmacht und welche für euren Einsatz passt, erklären wir euch am besten direkt.

🔩 Unsicher, welche Lösung zu eurer Menge passt? Kommt vorbei und beschreibt uns euren Ablauf. Wir sagen euch auch, wenn eine Anschaffung sich nicht lohnt.

08272 98884

Was trotzdem für die Motorsäge spricht

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Die Wippsäge ersetzt die Kettensäge nicht, sie ergänzt sie.

Gefällt und entastet wird nach wie vor mit der Motorsäge, daran führt kein Weg vorbei. Auch für Holz, das nicht in die Wippe passt, weil es zu dick, zu krumm oder zu kurz ist, braucht ihr die Säge. Und wer im Wald arbeitet, kann schlecht eine Wippsäge mitnehmen.

Realistisch sieht der Ablauf bei vielen so aus: Motorsäge im Bestand für Fällung und Vorlängung auf Meterstücke, Wippsäge zu Hause im Hof für das Ablängen auf Scheitlänge. Welche Säge zu welcher Menge passt, haben wir im Beitrag Welche STIHL Motorsäge für Brennholz aufgeschlüsselt.

Erst mieten, dann kaufen

Wer noch nicht weiß, ob die eigene Motorsäge für die Menge überhaupt reicht, muss nicht raten. In unserem Mietpark steht eine MS 261 C-M für 42 Euro am Tag. Ein Tag am eigenen Polter beantwortet mehr Fragen als jede Beratung, und die Betriebseinweisung gibt es beim Abholen dazu.

Häufige Fragen

Ist eine Wippsäge wirklich sicherer als eine Motorsäge?
Beim Ablängen ja, und das liegt an der Konstruktion. Das Sägeblatt ist fest montiert und im Ruhezustand verdeckt, eure Hände sind an der Wippe und nicht in der Nähe der Schnittstelle, und es gibt keinen Rückschlag im Sinne einer Kettensäge. Was bleibt, sind die Risiken beim Handling: schweres Holz heben, Kleidung, die eingezogen werden kann, und der Umstand, dass man bei Routine unaufmerksam wird. Sicherer heißt also nicht sorglos.
Wie viel schneller geht es mit einer Wippsäge?
Das hängt stark vom Aufbau ab, also davon, wie gut der Nachschub organisiert ist und ob ihr allein oder zu zweit arbeitet. Wer allein jedes Stück einzeln holt, verliert den Vorteil zum Teil wieder. Zu zweit mit einem Zuträger wird der Unterschied deutlich. Wir nennen hier bewusst keine Zahl, weil jede Zahl ohne den konkreten Aufbau in die Irre führt. Beschreibt uns euren Ablauf, dann schätzen wir es realistisch ein.
Elektrisch oder Zapfwelle?
Elektrisch ist die richtige Wahl, wenn die Säge an einem festen Platz steht und dort ausreichend Strom liegt. Sie ist leiser, es gibt keine Abgase, und ihr braucht keinen Traktor. Zapfwelle lohnt sich, wenn ihr ohnehin einen Schlepper habt und die Maschine an wechselnden Orten einsetzen wollt, etwa direkt am Polter im Wald. Der entscheidende Punkt bei der elektrischen Variante ist die Absicherung eures Anschlusses. Klärt das vorher, nicht wenn die Maschine schon dasteht.
Lohnt sich das für vier Ster im Jahr?
Nein. Und das sagen wir auch so, obwohl wir die Maschinen verkaufen. Bei vier Ster steht der Anschaffungspreis in keinem Verhältnis zum Zeitgewinn. Investiert das Geld lieber in eine Säge, die zu eurer Arbeit passt, in einen stabilen Sägebock und in ordentliche Schutzausrüstung. Damit seid ihr für diese Menge besser aufgestellt.
Wie oft muss das Sägeblatt geschärft werden?
Deutlich seltener als eine Sägekette, weil das Blatt keinen Bodenkontakt hat. Wie oft genau, hängt vom Holz ab, vor allem davon, wie sauber es ist. Rindenreste mit Sand sind auch für ein Kreisblatt Gift. Erkennbar wird es am Schnittbild und daran, dass ihr mehr Kraft aufwenden müsst. Hartmetallbestückte Blätter halten sehr lange, brauchen zum Schärfen dann aber die passende Ausrüstung. Bringt es vorbei, dann sehen wir uns an, ob Schärfen noch lohnt oder ein neues Blatt sinnvoller ist.