Ein Akku, der einen Sommer lang in der Sonne liegt, sieht von außen unverändert aus. Innen passiert währenddessen etwas, das seine Lebensdauer dauerhaft verkürzt – und das schneller, als die meisten denken.
📅 Mai 2026⏱ 7 Min. Lesezeit🔋 Akku-Systeme & Pflege
45°C
Kritisch
Akkus für Motorsägen, Heckenscheren oder Rasenmäher verbringen den Sommer oft an Orten, die kein Mensch lange aushalten würde: auf dem Beifahrersitz, im geschlossenen Kofferraum, auf der Terrassenmauer in praller Sonne. Was für uns nur unangenehm ist, ist für die Lithium-Ionen-Zelle im Inneren ein echtes Stressereignis – mit Folgen, die sich erst Wochen oder Monate später zeigen.
Was in der Zelle passiert, wenn es heiß wird
Ein Lithium-Ionen-Akku speichert Energie durch chemische Reaktionen zwischen Elektroden und Elektrolyt. Diese Reaktionen laufen bei Raumtemperatur kontrolliert ab. Steigt die Temperatur, laufen sie schneller ab – auch dann, wenn der Akku gar nicht benutzt wird.
Das Ergebnis ist eine beschleunigte Zellalterung: Die Elektrolytflüssigkeit zersetzt sich schneller, an der Elektrodenoberfläche bilden sich verstärkt Ablagerungen, die nutzbare Kapazität sinkt dauerhaft. Anders als beim Tank eines Benzingeräts, der durch Hitze nicht wirklich Schaden nimmt, verliert eine Akkuzelle bei dauerhafter Hitzebelastung tatsächlich an Substanz.
Normaler Arbeitsbereich an warmen Tagen, leicht erhöhte Alterung
35–45°C
Belastend
Spürbarer Kapazitätsverlust bei wiederholter Belastung
> 45°C
Kritisch
Schutzelektronik greift ein, im Extremfall Sicherheitsrisiko
Zur Einordnung: Auf der Ablage hinter der Windschutzscheibe eines Autos werden an einem sonnigen Sommertag schnell 60–70°C erreicht. Das liegt weit jenseits dessen, was ein Akku langfristig unbeschadet wegsteckt.
Die 4 konkreten Effekte von Hitze
📉
Beschleunigter Kapazitätsverlust
Ein Akku, der regelmäßig hohen Temperaturen ausgesetzt ist, verliert seine Maximalkapazität deutlich schneller als einer, der kühl gelagert wird. Nach ein bis zwei heißen Sommern reicht eine vormals volle Akkuladung dann nicht mehr für die gleiche Arbeitszeit.
🔄
Erhöhte Selbstentladung
Heiße Akkus verlieren auch im Ruhezustand schneller Energie. Ein Akku, der den Sommer über in der Sonne liegt und nicht benutzt wird, ist beim nächsten Griff danach öfter leerer, als man erwarten würde.
⚡
Leistungsdrosselung (Derating)
Moderne Akku-Systeme wie das STIHL AP-System erkennen Überhitzung und reduzieren aktiv die Leistung, um die Zellen zu schützen. Das merkt man im Einsatz als plötzlichen Leistungseinbruch – ein eingebauter Schutzmechanismus, kein Defekt.
⚠️
Sicherheitsrisiko bei extremer Hitze
Erst bei wirklich extremen Temperaturen, kombiniert mit Beschädigung oder Überladung, steigt das Risiko eines thermischen Defekts. Normale sommerliche Nutzung mit etwas Vorsicht bleibt unkritisch – Unwissenheit über Lagerung ist das eigentliche Risiko.
Ein Akku merkt sich jede Stunde in der Sonne. Nicht sofort sichtbar, aber am Ende der Saison spürbar in der Laufzeit.
Die häufigsten Hitze-Fehler im Alltag
🚗
Im Kofferraum liegen lassen
Der heißeste Ort, an dem ein Akku regelmäßig landet. Schon eine Stunde in der Sommersonne reicht für deutlich erhöhte Innentemperaturen.
🔌
Direkt nach Einsatz laden
Ein Akku, der gerade unter Last gearbeitet hat, ist bereits warm. Sofortiges Laden addiert Ladewärme auf Betriebswärme.
🏖️
Auf der Terrassenmauer ablegen
Direkte Sonneneinstrahlung auf dunklem Gehäuse heizt schneller auf, als man beim kurzen Pausemachen vermutet.
🏚️
Im Blechschuppen lagern
Ungedämmte Metallschuppen heizen sich im Sommer stärker auf als gedacht – oft deutlich wärmer als die Außentemperatur.
So schützt du deinen Akku wirklich
Akku nach dem Arbeitseinsatz erst 15–20 Minuten abkühlen lassen, bevor er ans Ladegerät kommt
Lagerung in kühlen, schattigen Räumen – Keller oder Innenräume statt Schuppen oder Auto
Niemals im geparkten Fahrzeug bei Sommerhitze liegen lassen, auch nicht für kurze Erledigungen
Bei längeren Standzeiten (z. B. Urlaub) den Akku mit ca. 40–60 % Ladestand lagern statt voll oder leer
Ladegeräte mit aktiver oder passiver Kühlfunktion nutzen, sofern verfügbar – sie verkürzen die thermische Belastung beim Laden
Akku während der Arbeit im Schatten ablegen, wenn er gerade nicht im Gerät sitzt
💡 STIHL AP-System
STIHL-Akkugeräte des AP-Systems verfügen über eine intelligente Elektronik, die Überhitzung erkennt und die Leistung temporär reduziert, um die Zellen zu schützen. Einige Ladegeräte wie das AL 101 bieten zusätzlich eine passive Akkukühlung. Das ersetzt aber keine vernünftige Lagerung – die Elektronik schützt vor Schäden, nicht vor Alterung.
⚠️ Anzeichen für einen hitzegeschädigten Akku
Spürbar verkürzte Laufzeit gegenüber dem Vorjahr, ein Akku, der sich beim Laden ungewöhnlich warm anfühlt, oder eine leicht gewölbte Gehäuseform sind Warnsignale. In diesem Fall den Akku nicht mehr verwenden und fachgerecht prüfen lassen.
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Kann ich meinen Gartengeräte-Akku im Sommer draußen lagern?
Kurzzeitig im Schatten ist unkritisch. Für die Lagerung über Tage oder Wochen sollte der Akku in einen kühlen, trockenen Innenraum – Keller oder Wohnbereich sind ideal. Ungedämmte Schuppen oder Garagen heizen sich im Sommer oft stärker auf, als man von außen vermutet.
Darf ich einen warmen Akku direkt nach der Arbeit laden?
Besser nicht sofort. Lass den Akku erst 15–20 Minuten im Schatten abkühlen. Laden erzeugt selbst zusätzliche Wärme – kommt diese auf einen bereits warmen Akku, summiert sich die thermische Belastung unnötig.
Wie lagere ich einen Akku richtig, wenn ich ihn länger nicht brauche?
Bei einem Ladestand von etwa 40–60 % und kühler, trockener Lagerung altert ein Lithium-Ionen-Akku am langsamsten. Komplett voll oder komplett leer über Wochen zu lagern, beschleunigt die Zellalterung zusätzlich.
Warum verliert mein Akkugerät bei Hitze plötzlich Leistung während der Arbeit?
Das ist in der Regel kein Defekt, sondern eine eingebaute Schutzfunktion (Derating). Moderne Systeme wie das STIHL AP-System erkennen eine zu hohe Zelltemperatur und reduzieren aktiv die Leistung, um dauerhaften Schaden zu vermeiden. Eine kurze Pause im Schatten reicht meist aus, damit die volle Leistung zurückkehrt.